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Die aktualisierten Normen DIN 1946/6 und DIN 18017/3

In einem VDI Kooperationsseminar, das live als Web-Seminar abgehalten wurde, erläuterten die Dozenten der Vallox Aircademy die Veränderungen der Normen und zeigten die Fördermöglichkeiten auf.

Gute Raumluft ist laut WHO ein Menschenrecht. Schlechte Raumluftqualität führt nicht nur zu ernsthaften Gesundheitsproblemen wie Müdigkeit und Kopfschmerzen, sondern hat auch Folgen für Gesundheit, Wirtschaft und Umwelt.

In dem VDI Kooperationsseminar „Die Änderungen der Normen DIN 1946/6 und DIN 18017/3 und das Marktanreizprogramm“ stellte der Dozent Robert Hubert die Veränderungen der beiden überarbeiteten Normen DIN 1946/6 und DIN 18017/3 vor, die Ende 2019 veröffentlicht wurden. Die Vallox GmbH ist ein Systemanbieter von Lüftungssystemen für Wohnräume und gewerbliche Anwendungen, die in normalerweise in hauseigenen „Aircademy“ Schulungen für Planer, Architekten und Handwerker anbieten. Im Rahmen der sechsteiligen VDI Seminarreihe am 25. Juni und 2. Juli 2020 machte das Unternehmen sein Wissen auch für VDI Mitglieder zugänglich. Ermöglicht hat dies Vallox-Geschäftsführer Bernhard Fritzsche, der zugleich der Leiter des VDI Arbeitskreises Technische Gebäudeausrüstung München ist.

Änderungen in der DIN 1946/6

Beide Normen wurden laut Hubert so überarbeitet, dass diese in ihrer neuen Form „einfacher, übersichtlich strukturiert und für jeden verständlich“ sind. Mit der überarbeiteten Version der DIN 1946/6, die sich auf die Lüftung von Wohnungen nach Lüftungskonzept bezieht, hat sich einiges geändert.

Welche Teile der Norm waren von der Überarbeitung betroffen? Neben den Punkten 4-6, die aufgeteilt wurden, gab es auch Veränderungen im Punkt 7, freie Lüftung und im Punkt 8, Ventilatoren gestützt Lüftung. Hubert gab zunächst einen Überblick über die Änderungen, um im Folgenden noch detaillierter auf die einzelnen Punkte einzugehen.

Die Änderungen im Überblick:

  -  Neu aufgenommen: Kombinierte Lüftungssysteme
  -  Anpassung der Außenvolumenstromberechnung
  -  Abgleich an die Hygieneanforderung mit der VDI 6022
  -  Anpassung des Betriebs von Feuerstätten, Lüftungsanlagen und Lüftungsgeräten
  -  Streichung der Kennzeichnung von Wohnungslüftungsanlagen
  -  Überarbeitung der Wärmedämmung

Nach der Übersicht stellte Hubert unter anderem alte und neue Berechnungen in der DIN 1946-6 gegenüber. Beispielsweise war die alte Formel zur Berechnung des Infiltrationsvolumenstroms im Lüftungskonzept aufwändig zu merken und kompliziert in der Anwendung, in der neuen Version ist diese nun einfacher dargestellt.

Neu in der überarbeiten Version der Norm ist, dass die Infiltration geringer werden muss: Die Tabelle 7 ist in der überarbeiteten Version anders aufgebaut, so gibt es jetzt auch kleinere Nutzungseinheiten. Bezüglich des Feuchteschutzes gab es keine allzu großen Verschärfungen, eher Reduzierungen. Auch die Systemübersicht hat sich geändert sowie die Bestimmung des Nennvolumenstroms und die Werte für die Ablufträume: in der vorigen musste immer der höchste Wert genommen werden, in der neuen Norm ist das geändert worden.

Als positive Errungenschaft hob Hubert außerdem hervor, dass in Schlafräumen mind. 30 Kubikmeter Zuluftvolumenstrom für die Nennlüftung geplant werden müssen, in Gästezimmern 15 Kubikmeter. Der Zuluftvolumenstrom für die Nennlüftung darf diese Werte nicht unterschreiten.

Mit zahlreichen Beispielen stellte Hubert im Anschluss noch die verschiedenen Lüftungskonzepte vor und ging auf die Filtrierung und Außenluftqualität ein.Denn in diesem Bereich hat sich auch einiges getan. Unter anderem wurden die Mindestanforderungen an die Filtrierung an die DIN EN 16789-8 und die DIN EN ISO 16890 angepasst. Gerüche und Staub dürfen zudem nicht auf andere NE übertragen werden, die Anlage muss sauber und mit ungebrauchtem Filter übergeben werden. Die Filterklassen werden mit 0, G und H vorgegeben. Zudem erfolgte ein Abgleich der Norm mit der VDI 6022.

Optimal gelaufen: Änderungen in der DIN 18017/3

Einiges geändert hat sich auch in der überarbeiteten Version der Norm DIN 18017/3, die sich auf Entlüftung mit Ventilatoren zur Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster in Wohnungen bezieht.

Der Anwendungsbereich der Norm ist identisch geblieben und hat sich laut Hubert nur erweitert: auch Küchen und Bäder mit Fenstern oder Abstellräume können mit dieser DIN berechnet werden. Zudem wurden die Volumenströme angepasst und die Standardwerte zur Infiltrationsberechnung. Insgesamt sagt Hubert über die überarbeitete Version der DIN 18017/3: „Die Änderungen sind optimal gelaufen“.

Zusammenfassend gab es keine nennenswerten Verschärfungen im Zuge Überarbeitung der beiden Normen – mit der Hoffnung, dass sich die Akzeptanz auf dem Markt erhöht.

Fördermöglichkeiten des Marktanreizprogramms für Wärme aus erneuerbaren Energien

Das Marktanreizprogramm ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Es soll Anreize schaffen, Wärme verstärkt aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Hubert stellte den Teilnehmern des Web-Seminars vor, wie bis zu 45% der Fördermöglichkeiten des Marktanreizprogrammes für eine zentrale kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) in Anspruch genommen werden können. Außerdem erläuterte er die Änderungen in der geänderten Richtlinie des BAfA Marktanreizprogramms 2020: Unter anderem wurde die Wärmepumpenanlage in Kombination mit Lüftungsgeräten mit Wärmerückgewinnung aufgenommen, wofür allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Bezüglich der Förderhöhe kann bei Austausch der Ölheizung mit bis zu 45% im Bestandsbau und mit bis zu 35% im Neubau gerechnet werden.

Abschließend stellte Hubert noch die Möglichkeiten der Unterstützung des Unternehmens bezüglich der Erstellung von Lüftungskonzepten, Kosteneinschätzungen und der Außendienstmitarbeiter dar und beantwortete offene Fragen der Teilnehmer in einer Fragerunde.

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