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Der (Luft-)Weg ist das Ziel – Hygiene in Raumlufttechnischen Anlagen

Dr.-Ing. Jürgen Röben über die VDI Richtlinie DIN 6022 und die Relevanz einer guten Belüftung

Mehr über die VDI Richtlinie DIN 6022

Rund um das Thema Hygiene drehte sich alles am 8. Oktober im Rahmen eines Vortrags von Dr.-Ing. Jürgen Röben, Referent der TROX ACADEMY und Lehrkraft für besondere Tätigkeiten am Institut für Energiesysteme und Energiewirtschaft am Campus Bottrop. Dr. Röben ging in seinem Vortrag näher auf die normengerechte Ausführung von Raumlufttechnischen Geräten und besonders auf die VDI Richtlinie DIN 6022 ein.

Organisiert wurde der Vortragsabend mit anschließender Diskussion in der Hochschule München von den Ingenieuren der Versorgungstechnik (IDV) und dem VDI Arbeitskreis Technische Gebäudeausrüstung (TGA).

Warum gute Belüftung so wichtig ist

Luft und Belüftung waren am Vortragsabend selbst auch ein Thema; aus gutem Grund, denn der denn der Vortragsraum war mit knapp 60 interessierten Zuhörern fast vollständig besetzt.

Nach einer kurzen Vorstellung von Dr. Röben startete der Referent damit, die Wichtigkeit von Luft zu verdeutlichen. „Luft ist ein Nahrungsmittel“, begann er. „Drei Wochen ohne Essen leben? Möglich. Drei Tage ohne Trinken auskommen? Auch möglich. Aber ohne Luft? Drei Minuten, wenn überhaupt – sehen wir mal von einigen Extremfällen ab“.  Eine gute Belüftung in Gebäuden ist essenziell. Und dafür gibt es, neben raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen), Richtlinien wie die VDI 6022.

Normengerechte Ausführung von RLT-Geräten

Das Hauptthema des Abends war die normengerechte Ausführung von RLT-Geräten und Lüftungsanlagen, um Überraschungen bei der Hygieneinspektion zu vermeiden. Hygienische Anforderungen werden in der VDI 6022 geregelt, deren Neuerungen und Umsetzung in der Praxis ebenfalls Thema des Abends waren.

Zunächst wurden die normativen Rahmenbedingungen anhand gezielter Beispiele anschaulich dargestellt: So sollten in ein Innovatives Gerätegehäuse beispielsweise Schrauben mit metrischem Gewinde eingesetzt werden, damit die Schrauben in dem RLT-Gerät beliebig oft einsetzbar sind und leicht ein- und ausgebaut werden können. Zudem biete es sich an, eine flexible, pulverbeschichtete Stahlrahmenkonstruktion zu verwenden, um Korrosion zu vermeiden.

Anschließend differenzierte der Referent nach die hygienischen Anforderungen der VDI 6022 anhand zweier Krankheiten, die im Zusammenhang mit der Luftqualität festgestellt wurden – das Building Related Illness (BRI) und das Sick-Building-Syndrom (SBS) –, um dann auf die Richtlinie selbst einzugehen.

Die VDI 6022

Die Richtlinie VDI 6022 ist die meistverkaufte Richtlinie des VDI und ermöglicht eine Gesamtbewertung der Hygiene eines Gebäudes. Zuletzt überarbeitet wurde die Richtlinie 2018, weitere Aktualisierungen sind derzeit in Arbeit. Dr. Röben ging vor allem auf die Umsetzung der Richtlinie in der Praxis ein.

3 Fragen an Dr. Jürgen Röben über die VDI Richtlinie 6022

VDI: „Welche Änderungen ergaben sich im Zuge der letzten Überarbeitung der Richtlinie?“

Dr. Röben: » Als sich die VDI Richtlinie 2018 das letzte Mal geändert hat, sind Teile, die vorher nur als Nebenblätter vorhanden waren, eingearbeitet worden. Außerdem hat man sich auf Themen fokussiert, die vorher nicht enthalten waren – unter anderem das Thema Wohnungslüftung. Vorher ging es nur um gewerbliche bzw. öffentliche Gebäude und größere Anlagen. Aber selbst diese Änderung ist auch schon wieder fast zwei Jahre her.« 

VDI: "Wurde ein spezielles Thema stärker diskutiert?"

Dr. Röben: » Es wurden unter anderem die dezentralen Geräte mitaufgenommen, die allerdings in der Version 2018 nicht ganz richtig interpretiert wurden – die Geräte waren im Prinzip dadurch nicht mehr technisch realisierbar, weil die Regelungen hinsichtlich der Filterungen so verschärft waren. In der überarbeiteten Version von 2019 wurde das korrigiert.« 

VDI: "Gab es kritische Punkte?"

Dr. Röben: » Die gab es, aber das ist ja immer so: man bringt etwas raus und dann gibt es ja zunächst die Phase des Gründrucks, in der man Einspruch erheben und Änderungen und Kritik einbringen kann. Anschließend gibt es den Weißdruck, aber es gibt immer Leute, die den Gründruck zuvor nicht gesehen haben. Entweder gibt es dann ein Beiblatt oder einen Nachtrag, wie bei den dezentralen Geräten. Hauptsache ist aber immer, dass die Punkte zunächst einmal drinnen sind. Bei der nächsten  Überarbeitung können diese dann immer noch optimiert werden. « 

Sarah Stingl

Der Referent Dr. Jürgen Röben (links) und Wilhelm Mayer vom IDV/TGA-Team München nach dem Vortrag.

Referent Dr. Jürgen Röben