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Der virtuelle 10. Tag der Elektromobilität

Am 13. Mai fand der erste virtuelle Tag der E-Mobilität statt. Mit rund 150 Teilnehmern war die Veranstaltung der VDI Bezirksgruppe Ingolstadt und der Technische Hochschule Ingolstadt ein voller Erfolg. Mehr über die Themen des Tages...

Allianzen für eine neue Mobilität

Der virtuelle 10. Tag der Elektromobilität

„Eigentlich wollten wir unser Jubiläum mit vielen Gesprächen an den Ausstellungsständen und mit tollen Probefahrten feiern – jetzt ist es anders gekommen, aber wir bleiben dran!“ Das betont Rainer Wetekam, Leiter der VDI BG Ingolstadt und Moderator des Videovortrags anlässlich des 10. Tages der Elektrotechnik an der TH Ingolstadt.

Auch Prof. Dr. Hans-Georg Schweiger, Leiter des SAFIR-Cluster 4 der THI, begrüßt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität e.V. (BEM), der den fast 150 zugeschalteten Teilnehmern den Status quo der E-Mobilität in Deutschland näherbringt. 

Vor, während und nach dem Virus

Sigl spricht von spannenden nächsten Monaten, denn „der Hype in der Elektromobilität kommt langsam in die Köpfe der Menschen“. Nachdem man sich in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Politikmodellen auseinandersetzen musste und in nationale Plattformen „viel geredet und wenig gemacht wurde“, ist das Thema mit vier Mio. E-Bikes auf der Straße jetzt in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. E-Mobilität ist leise, alltagstauglich und durch die vielen Fahrzeugtypen (z.B. E-Scooter) sehr facettenreich.

Der BEM leiste Überzeugungsarbeit „zum Wechsel im Kopf und zu einem Umdenkprozess, der ganz unten beginnen muss“.

Es gibt für Elektromobilität viele Anwendungen, intelligente Geschäftsmodelle und viele neue Start-ups. Durch Maßnahmen wie das E-Retrofitting (alter Diesel raus – Elektromotor rein) könne man auch die Wegschmeiß-Mentalität ändern.

Jahresthema: Energie- und Mobilitätswende müssen verheiratet werden!

Mit diesem ambitionierten Thema will der BEM Wirtschaft, Politik und Wissenschaft an einen Tisch bringen und wünscht sich viel mehr (politischen) Konsens.

Keine Förderung der alten Technik!

Sehr klar positioniert sich Kurt Sigl zu den Fördermaßnahmen, die jetzt auf den Weg gebracht werden, um die (wirtschaftlichen) Folgen der Corona-Krise abzumildern. Wir können es uns nicht mehr leisten, eine alte Technik zu fördern. Wir müssen noch in diesem Jahr neue Programme entwickeln – nicht gegen sondern mit der Autoindustrie.

Wir müssen uns massiv um den ÖPNV kümmern!

Kurt Sigl sieht den ÖPNV durch Corona stark in der Krise. Für die Städte als Betreiber werden die nächsten Monate mit Nachbesserungen und erhöhten Sicherheitsanforderungen ein Riesenakt. Hier werden in Zukunft mehr kleinere Busse auch für „die letzte Meile“ gebraucht. „Wir müssen uns von dem Gedanken trennen, überall hin mit dem Auto zu fahren. Wir brauchen die Städte ruhiger, sauberer, gelassener und mit weniger Verkehr“.

Allianz für eine neue Mobilität

Ein großer Erfolg sind die drei neuen Verkehrswendebüros, die seit März auf einer Insel, einem Dorf in Niedersachsen und in der Stadt Leipzig passende Mobilitätskonzepte für die Standorte entwickeln.

Lösungen, die für alle Sinn machen und nicht nur für wenige

Am Ende seines engagierten Vortrags plädiert Sigl für mehr pragmatische Lösungen, die für alle Sinn machen und nicht nur für wenige. Denn Mobilität muss als Gesamtheit gelöst werden: „Bitte unterstützen und helfen Sie uns. Wir arbeiten alle ehrenamtlich.“

Diskussion

Die anschließende Fragerunde spannte den Bogen von „Ladesäulen in der Tiefgarage“ bis zur „Aussagekraft von Nail Penetration Tests“ für Akkumulatoren. eine Art von Sicherheitstests, um einen internen Kurzschluss zu simulieren. Die Probebatterie wird dazu mit einem Nagel durchschlagen, um einen internen Kurzschluss zu simulieren und zu verifizieren, dass die Batterie nicht in Brand gerät oder platzt.

Interessante Einblicke gab es in das Thema Ladeinfrastruktur. Hier gibt es verschiedene Modelle und die Förderprogramme laufen. Die Versorgung der Autobahnen ist gut, die Preisfindung ist noch kritisch. Langfristig wird das wohl der Markt regeln.

Auch die Nachhaltigkeit wurde hinterfragt, wobei es seltene Erden nur in alten Akkus gibt. Lithium-Ionen-Batterie werden ohne seltene Erden gebaut. Der Kobaltanteil sinkt und wird langsam ersetzt. Lithium sei ausreichend verfügbar.

Ein großes Thema ist das Bidirektionale Laden (= Strom laden und bei Bedarf ins Netz zurückspeisen). Hier sträuben sich die deutschen Autohersteller, weil sie Angst vor Schäden an den Akkus haben. Hierzu Prof. Schweiger: „Dem Akku ist es wurscht, woher der Strom kommt“.

Rainer Wetekam beendet nach 1,5 Stunden die kurzweilige Veranstaltung mit dem Statement: „Vielen Dank für den großen Zuspruch und die rege Beteiligung. Das macht uns Mut, denn trotz Corona haben wir Flagge gezeigt und nicht aufgegeben!“

Silvia Stettmayer

Sie konnten nicht dabei sein? Wir haben den Vortrag für Sie aufgezeichnet. Über folgenden Link gelangen Sie direkt zur Video-Aufzeichnung.

10. Tag der E-Mobilität