„Der beste Entscheider bleibt der Mensch – vorerst“: Autonomie bei Verkehrsflugzeugen

Im Rahmen der Dienstagsvorträge zu Luftfahrtthemen an der Hochschule München, die in Kooperation mit dem VDI-Arbeitskreis Fahrzeugtechnik ausgerichtet werden, berichtete Dipl. Ing. Thomas Wilhelm, Testpilot bei der Firma Airbus in Toulouse, am 21. Mai 2019  über Autonomie bei Verkehrsflugzeugen. Rund 70 Teilnehmer verfolgten den Vortrag begeistert und diskutierten im Anschluss mit.

Im Fokus standen Herausforderungen und Potenziale des autonomen Fliegens im Zusammenhang mit der Entwicklung von Verkehrsflugzeugen. 

Autonomie als Unterstützung

Wilhelm zufolge ist eine der größten Herausforderungen für die Luftfahrtindustrie, dem stetig wachsenden Flugverkehr in den kommenden Jahren gerecht zu werden. Problematisch sei etwa, die Anzahl der benötigten Piloten in den nächsten Jahren auch tatsächlich auszubilden., da es an geeigneten Kandidaten mangelt. Daher ist man zunehmend auf der Suche nach Alternativlösungen. Es gehe demnach nicht darum, den Mensch durch autonome Systeme zu ersetzen, „sondern den Bedarf an Piloten in der Luftfahrt zu decken“, so Wilhelm. 

Eines der Konzepte hierfür ist das Single Pilot Concept, bei dem nur ein einzelner Pilot im Cockpit sitzt und von einem autonomen System unterstützt wird. Bisher ist es üblich, ein Flugzeug mit zwei Piloten zu besetzen. Doch auch dieses Konzept hat seine Grenzen: „Der Mensch kann nicht überall ersetzt werden“, sagt Wilhelm und nennt als Beispiel die Bodenunterstützung, die auch weiterhin durch einen Menschen erfolgen soll.

Eine neue Verbindung zwischen Mensch und Maschine

Die Autonomie bei Verkehrsflugzeugen geht mit einer Verlagerung der Aufgabenbereiche einher. Der Mensch ist demnach vor allem für das Treffen langfristiger Entscheidungen vorgesehen. Autonome Systeme hingegen sollen in die Lage versetzt werden, unmittelbaren Gefahren und Risiken zu erkennen. Beispielhaft ist hierfür eine unmittelbare Gefahr wie ein Vogelschlag, also der Zusammenprall eines Flugzeugs mit einem Vogelschwarm, der ein Flugzeug schlimmstenfalls zum Absturz bringen kann.

Dennoch bleibe zum gegenwärtigen Zeitpunkt, so ein Resümee dieses Abends, der Mensch der beste Entscheider, wenn es um den Gesamtzusammenhang geht. 

Warum Fahrassistenzsysteme der Autonomie förderlich sind

Wichtig bei der Entwicklung autonomer Systeme sei es laut Wilhelm, Akzeptanz zu schaffen. Hierzu trägt die Automatisierung bereits einen großen Teil bei. Gute Beispiele dafür lassen sich in Autos finden: Automatische Abstandsregeltempomaten und Fahrassistenzsysteme im Fahrzeug gewöhnen den Menschen schon heute schrittweise daran, die Kontrolle zumindest teilweise der Technik zu überlassen. Und „jeder Schritt führt dazu, dass jeder einzelne von ihnen diese Technologie mehr akzeptiert“, sagt Wilhelm mit Blick in die Runde.

Protect and Connect

Auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Datenverarbeitung bei autonomen Verkehrsflugzeugen oder Fragen der Flugsicherheit, die bei der Entwicklung autonomer Systeme immer an erster Stelle stehen muss, wurden mit diesem überaus informativen Einblick in die Thematik beleuchtet und im Anschluss intensiv diskutiert. 

Sarah Stingl