Brandschutz im Krankenhaus

Das am Freitag, 27.04.2018 stattgefundene Tages-Seminar war ein großer Erfolg. Neben den Referenten nahmen noch 32 Teilnehmer aus der Industrie, von Behörden und Studenten teil.

Dipl.-Ing. Harald Niemöller von hhp berlin Ingenieursgesellschaft für Brandschutz referierte über Brandschutzkonzepte in Krankenhäusern, wobei der Schwerpunkt auf die Gestaltung der Rettungswege, die Sicherheit (wie Brandmeldeanlagen, Feuerlöscheinrichtungen), Zufahrten, Wirksamkeit der Brandabschnitte, Feuer-Widerstand der Bauteile, Auswahl der Baustoffe und Kenntnisse des Personals gelegt wurde. Er wies darauf hin, dass in Krankenhäusern und Pflegeheimen eine erhöhte Personengefahr besteht, da Patienten teilweise oder vollständig auf fremde Hilfe angewiesen sind. Oberste Priorität hat deshalb die frühzeitige Erkennung eines Brandes und die unverzügliche Alarmierung der Rettungskräfte. Es ist deshalb ein entsprechendes Brandschutzkonzept erforderlich, um Personen aus dem gefährde-ten Bereich in andere Bereiche zu bringen. Die Rauchausbreitung ist zu begrenzen, anlagentechnisch und organisatorisch. Ein bundesweit aktuelles Muster Regelwerk für den Sonderbau Krankenhaus wäre wünschenswert.

Dipl.-Ing. Reinhard Mermi zeigte Brandverlaufskurven für ein Patientenzimmer mit und ohne Sprinklerung und verglich die Auslösezeiten der Sprinkler nach Heskestad mit den Werten nach VDI 6019. Die Werte nach VDI liegen ca. das 1,43–1,56 fache höher.

Dieter Liepsch referierte über die Auswirkungen von Bränden auf Hygiene und Gesundheit, die verschiedenen Gefahrstoffe im Krankenhaus, die ein hohes Risiko für Gesundheit und das Leben darstellen, nicht nur für Patienten, sondern auch für das Personal. Die Evakuierung und Räumung des Gefahrenbereiches, insbesondere bei Intensivabteilungen, wurden an Hand eines praktischen Beispiels gezeigt.

Thomas Lechner von der Fa. Trox zeigte den Einsatz von Brandschutz- und Entrauchungsklappen in Krankenhäusern auf mit vielen Beispielen.

Es folgte ein Beitrag über die Modellierung und Simulation mit Matlab und Simulink, wo diese Programme überall einsetzbar sind.

Dipl.-Ing. Michael Meyer der Fa. Minimax stellte den Mensch in den Mittelpunkt und referierte über Brandschutzlösungen in den verschiedenen Krankenhausbereichen wie z.B. Patienten-, Schwesternzimmer, Labore, OP-Säle, Küche, Abfallentsorgung.

An Hand eines Modells führte Christian Rebling von der defumus Rauchschutz-technik, eine Rauchschutz-Druck-Anlage und Rauchschutz-Sprühluft-Anlage für Treppenräume, Feuerwehraufzüge etc. vor. Die Druckkriterien bei geschlossener und geöffneter Etagentür, sowie die Luftmengenberechnung für die In- und Abluft wurden gezeigt.

Über Mehrfachsensor und Brandgas-Brandmelder berichtete Heinrich Herbster von der Fa. Hekatron VertriebsGmbH, wobei zukünftige Mehrfachsensor-Brandmelder reges Interesse fand. Neben den zukünftigen harmonisierten Normen und Brandmeldern zeigte er Brandgasmelder mit optionalen Temperatursensor neben dem Kohlenmonoxid-Brandmelder, sowie den Mehrfachsensor Brandmelder in verschiedenen Kombinationen wie Rauch/Wärme, CO/Wärme, Rauch/CO und Optional-Wärme.

Die Teilnehmer erhielten einen guten Überblick über die Detektion von Brandgasen.

Alexander Mermi’s Thema war die „Brandfallsteuermatrix“. Die Erstellung einer Brandfallsteuermatrix wurde an Beispielen demonstriert wie z. B. Türen, vertikale Schächte, Notfalllüftung im OP oder kombinierter Fortluft-/ Entrauchungsschacht.

Markus Handelshauser gab einen Überblick über den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz. Am Beispiel eines Modellbrandverlaufes wurde das zulässige Risiko sowie das Schadensausmaß grafisch dargestellt. Nachweise ingenieurtechnischer Verfahren wurden demonstriert. Zur Evakuierungssimulation wurden die typischen Parameter (Platzbedarf, Geschwindigkeit, Komfortabstände, Priorität einschließlich Personalbedarf) demonstriert.

Alle Teilnehmer waren von dem Kurs begeistert und wünschen bereits eine Fortsetzung.

Prof. Dr.-Ing. habil. Dieter W. Liepsch